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Mittwoch, 7. Oktober 2015
Von: Phil Osof
 

Dass ich ja gerne am iPad zocke, habe ich in den letzten Ausgaben des „Potpourri der guten Dinge“ bereits unter Beweis gestellt. Jetzt nehmen wir aber mal Abstand von den Brettspielen. Diesmal geht es mir mehr um Click&Point, ein Genre, dass mit dem Ende von LucasArts leider ein wenig in Vergessenheit geriet, mit den Tablets aber ein kleines Coming Back erlebt. Super! Freut mich. Ich liebe diese Art von Games. Diesmal stelle ich euch gleich mal ein Spiel vor, dass für mich definitiv zu den bisher besten gehört: Das niedliche „The Inner World“.

Wir befinden wir uns in der Fantasiewelt Asposien, die sich in einem Universum aus Erde befindet. Sie stellt den runden Kern innerhalb dieses Universums dar. Man kann sich vorstellen, dass es hier ohne Frischluftzufuhr äußerst stickig und sauerstoffarm werden kann. Es gibt drei heilige Windbrunnen, die die Welt beatmen und den sogenannten Fosfos Leuchtkraft geben, um die Welt mit Licht zu versorgen und ihr Wärme zu schenken. Man ist sich nicht sicher, woher dieser Wind eigentlich kommt, doch klar ist: Er verschwindet allmählich. Von den drei Brunnen sind zwei nicht mehr aktiv und schlimmer noch: Aus ihnen steigen immer wieder Windgötter auf, die Asposer versteinern und für Angst und Schrecken unter den Bewohnern sorgen. Der letzte, noch aktive Windbrunnen wird bewacht von dem grimmigen Abt Conroy, der die Bevölkerung zu Entsagung und Fügsamkeit zu erziehen versucht, um den Wind wieder zurückzugewinnen.

Das Spiel beginnt während einer Ansprache des Abts an sein Volk an einem üblichen Tag wie eh und je. Auf der Fensterbank seines Palastes sitzt sein Ziehsohn Robert, sein Novize. Er unterscheidet sich ein wenig von den anderen Wesen dieser Welt, da er keine Streifen auf seiner Nase, sondern flötenartige Löcher hat. Deshalb hat er sich einen Strumpf gestrickt, den er sich über seinen Zinken zieht, damit niemand merkt, wie anders er ist. Während er einen Anhänger seines Meisters poliert, gesellt sich eine Taube zu ihm, die es auf eben jenen Anhänger abgesehen hat, den Conny an ‚den schönsten Tag seines Lebens‘ erinnert. Hack, wie Robert sie bald nennen wird, ist wendig und gewieft und schafft es kurzum, dem kleinen Naivling das Fosfos-förmige Stück zu klauen uns durch den Müllschacht zu entkommen. Um den Anhänger wieder zurückzubekommen, folgt unsere Hauptfigur der Taube kurzum und verlässt – wie wir bald feststellen werden – zum ersten Mal in seinem Leben den Palast Conroys. Es ist schon ein wenig wie beim Glöckner von Notre Dame.

So beginnt ein neues Abenteuer, bei dem er zum Beispiel die Diebin Laura kennenlernt, in die er sich sofort hoffnungslos verliebt. Sie selber zeigt ihm schon bald, was Conroy eigentlich für ein hinterhältiger Herrscher ist. Und nachdem selbst der naive Robert verstanden hat, dass sein Meister nichts Gutes im Schilde führt, muss ja jetzt etwas dagegen getan werden.

Story & Spaß

Mit Robert und Laura taucht man in eine Welt ein, deren Erschließung sehr viel Spaß macht. Sie ist wunderbar kurios und hält viele lustige Geschichten und Charaktere bereit. Ich hatte durchgehend gute Laune und freute mich stets darauf, mich durch die einzelnen Gespräche zu klicken.

Zwar ist vorhersehbar, dass Conroy nicht die schönsten Hintergedanken hat, doch hält die Geschichte darüber hinaus noch einige Überraschungen parat, die einen unerwartet viel tiefer in die Intrige eintauchen lassen. Und obwohl das Spiel teils ein wenig zäher wurde, hielt mich die humorvolle Welt auf Trab.

Bedienung

Das iPad ist prädestiniert für Spiele, bei denen man Zeigen und Klicken muss. Das beweist sich auch bei der sehr einfachen Steuerung von „The Inner World“. Sowohl für jene, die die Bedienung von Point- & Click – Adventures gewöhnt sind, als auch für Neulinge ist es selbsterklärend und äußerst einfach zu verstehen. Sollte man mal nicht weiterkommen, kann man alle anklickbaren Gegenstände markieren lassen. Das ist natürlich sehr praktisch. Hat man dann noch immer Probleme, auf die Lösung der Rätsel zu kommen, gibt es auch noch die Möglichkeit, sich Tipps anzeigen zu lassen, die nach und nach zum Ziel führen.

Schön ist, dass man zwischenzeitlich von Robert zu Laura wechselt und die Geschichte aus ihrer Perspektive weiterspielt. Bei meiner App gab es einen Fehler im Inventar. Laura hatte ein Objekt dabei, dass eigentlich in Roberts Tasche gehört. Wenn man damit als Laura interagierte, sprach Roberts Stimme. Ein kleiner Bug, der aber nicht weiter weh tut.

Grafik & Sound

Das Studio Fizbim hat die Welt Asponien handgezeichnet und verleiht dem Spiel damit eine Atmosphäre, die mir sehr gefällt. Ebenso gefällt mir die Animation und die Vertonung der Figuren. Man merkt, dass sich die Entwickler und Designer nicht nur auf die Funktionalität sondern auch auf eine atmosphärisch stimmige Konstruktion dieser Welt konzentriert haben. Dadurch schaut das Spiel nicht nur schön aus, sondern bringt ihr einiges an Abwechslung. (Nichts ist schlimmer, als immer gleiche Dialoge mit immer gleichen Stimmen.)

Fazit

Das erste Spiel aus dem Haus Studio Fizbin „The Inner World“ ist ein niedliches und kurzweiliges Spiel für iPad (und auch für den PC). Am Schönsten finde ich die Dialoge, da Robert so furchtbar naiv und unschuldig ist und die Welt, durch die er sich bewegt, so überaus skurril anmutet. Es macht Spaß, sich durch die handgezeichnete Welt zu klicken. Zwar gab es den Fehler im Inventar, doch das ist vertretbar. Click & Point Adventures in 2D sind also doch noch nicht ganz out. Ganz im Gegenteil: Die Point und Touch – Bedienung von Tablets haucht diesem Genre zuletzt wieder neues Leben ein

Marc-Philipp Schneider (Phil Osof) arbeitet und lebt als Cross-Media-Journalist in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur von MOVING MAN Infotainment betreut er bei netzwerk recherche die Liveblog-Redaktion. Zuvor arbeitete er unter anderem als Juniorkorrespondent für die Nachrichtenagentur JIJI Press, machte bei Deutsche Welle Station und produzierte diverse Radioformate für Lokalsender.
 

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