Donnerstag, 24. Dezember 2015
Von: Phil Osof
 

Die Koffer sind gepackt und die Geschenke verstaut. Jetzt kann sie beginnen: Die Weihnachtszeit. Nur, was tun, wenn die Zugfahrt lange dauert oder die Tage zwischen Weihnachten und Silvester mehr Freizeit bieten, als erwartet? Ich gebe euch dazu drei tolle Serien auf den Heimweg.

Wenn ich mich Abends entscheiden soll, ob ich lieber einen Film oder eine Serienepisode schauen möchte, fällt die Wahl meistens auf die Serie. Das ist schon sehr erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Filme einst als viel qualitativer gefeiert wurden. Heute können manche Serien den traditionellen Filmgenuss aber um Weiten überbieten. Etwa, wenn Produktionen wie Game of Thrones oder Breaking Bad Geschichten auf Hollywood-Niveau erzählen und Formate wie die Kurzserie Sherlock bündige und spannende Inhalte versprechen. Solche Produktionen gefallen mir besonders. (Unter den Vorschlägen für die Feier- und Wintertage ist aber auch eine Sitcom. Man braucht ja auch hier und da mal etwas leichtes, lustiges zum Abschalten und Entspannen der Gehirnzellen.) Ein paar Serien wurden ja in diesem Jahr schon gesondert behandelt. Ich empfehle, die Kritik zur Netflix-Produktion Sense8 auch zu beachten (klick). Drei weitere Serien stelle ich euch heute in diesem Beitrag vor.

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Mr Robot

Beginnen möchte ich mit einer amerikanischen Serie, die in Deutschland seit dem 20. November ausgestrahlt wird. Bei Mr. Robot begleiten wir den psychologisch angeschlagenen Hacker Elliot Alderson, der rekrutiert von einer Untergrundorganisation namens fsociety einen großen Finanzkollaps erzeugen soll. Wir schlüpfen in die Rolle seines imaginären Freundes und dürfen – und das ist ein Privileg – ganz Tief in die Gedanken des eigentlich sehr stillen und verschlossenen Menschen eintauchen. So lernen wir sein Leben als ordentlicher Angestellter der Sicherheitsfirma Allsafe kennen, bei der er die Server des Großkonzerns E(vil) Corp beschützt, welcher für den Tod seiner Eltern verantwortlich sein und diejenigen wenigen Menschen repräsentieren soll, die Macht und Geld besitzen. Wir blicken aber auch hinter die Kulissen seiner nächtlichen Beschäftigung, all seine Mitmenschen zu hacken, auszuspähen und ihnen bei größeren illegalen Geheimnissen auch hier und da mit einen anonymen Hinweis den Gang zur Polizei zu erleichtern.

Als ihn Mr. Robot von fsociety rekrutieren möchte, kollidieren seine gegenseitigen Vorstellungen von einer ideellen Welt miteinander. Die Flucht zu Morphin verleiht ihm zwar kurzzeitigen Halt, sorgt aber für eine erschwerende Abwärtsspirale, die den ganzen Plan ins Wanken bringt.

Die Produktion von Anonymous Content wurde am 24. Juni in Amerika erstausgestrahlt. In Deutschland ist die Serie seit dem 20. November erwerblich. Die Streamingrechte hat sich Amazon gesichert. (Hier ist mir zum ersten Mal die neue Funktion aufgefallen, nicht nur die Originalsprache sondern auch Untertitel einstellen zu können. Zuvor war das meines Wissens nicht möglich. Nervig: Diese Einstellungen müssen jedes Mal neu gemacht werden. Amazon scheint es sich nicht zu merken und startet automatisch die deutsche Fassung. Verbesserungswürdig!)

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Orphan Black

Diese Serie ist total an mir vorbeigegangen. Dieses Jahr habe ich sie entdeckt und musste schmerzlich feststellen, dass sie bereits seit Mai 2014 in Deutschland ausgestrahlt wurde. Allerdings im versteckten Programm von ZDFneo. Das tröstet aber auch nicht darüber hinweg, dass sie bereits ein Jahr zuvor in Amerika ausgestrahlt und mit Preisen überhäuft wurde. Wie konnte diese coole Serie nur so lange unbemerkt bleiben?

Tatjana Maslany spielt in dieser kanadischen Produktion gleich mehrere Rollen. Im Mittelpunkt steht die Figur Sarah Manning. Sie ist eine Weise mit Veranlagung zur Kleinkriminalität und den daraus entstehenden Problemchen, die zusammen mit ihrem Pflegebruder Felix von einer Mrs. S aufgezogen wurde. Eigentlich möchte sie nur ihre kleine Tochter bei Mrs. S besuchen, hat aber bei der Reise in ihre Heimatstadt eine Begegnung ganz sonderbarer Art hat. Am Bahnhof stürzt sich eine Frau vor ihren Augen in den Tod, die ihre Zwillingsschwester hätte sein können. Da man ihrem Kleidungsstil aber eine bessere finanzielle Lebenslage ansehen konnte, nimmt Sarah kurzerhand die Identität der Unbekannten an und erfährt dabei, dass sie einer Gruppe von gezüchteten Klonen angehört, die verzweifelt versuchen, einen auf sie angesetzten Attentäter zu stoppen. Moment? Klone? Das muss man erst mal verkraften. Und dann schwebt man auch noch in Lebensgefahr? Schnell wird klar, dass es mehr als nur eine Interessengruppe in der Frage gibt, wie mit den Klonen umgegangen werden soll. Kein Wunder, dass Sarah Manning und ihre neuen Freundinnen lieber selber über ihr Schicksal entscheiden wollen.

Mir gefällt, wie gut und überzeugend Maslany ihre vielen Rollen spielt. Sie schafft es, ihren verschiedenen Figuren sehr unterschiedliche Wesenszüge und Eigenschaften zu verleihen, ohne Gestellt zu wirken. Das ist eine wirklich große schauspielerische Leistung, bei der man gerne zuschaut und die einen im Bann hält.

Die Streamingrechte für die ersten beiden Staffeln hat ebenfalls Amazon Prime inne. (Nachträglich wurde ich darauf hingewiesen, dass auch Netflix die ersten beiden Staffeln zur Verfügung stellt.) Hier kann sie in der deutschen Fassung oder als „[OV]“ gesehen werden. Die beiden Fassungen sind als unterschiedliche Serien angelegt. Die Rechte für die dritte Staffel hat sich ZDFneo gesichert. Ab dem 16. Februar 2016 kann also gleich an die tolle Serienerfahrung der Feiertage angeknüpft werden.

354100The IT Crowd

Und zu guter letzt habe ich ja bereits angekündigt, auch noch etwas leichtes und witziges vorzustellen, was keiner großartigen Konzentration bedarf. Es sollte ok sein, auch mal eine alberne Sitcom zu konsumieren, wenn man doch ansonsten wirklich hochgradige Unterhaltung bevorzugt, oder? Ich meine: Es ist vertretbar.

Dafür hole ich aber nun auch eine sehr stumpfe und leicht alberne Sitcom aus der Serienkiste. Diesmal wechseln wir von Amazon zu Netflix und suchen uns „The IT Crowd“ aus dem Fundus. Wir beobachten die IT-Abteilung eines großen Londoner Unternehmens namens Reynholm Industries bei ihrem Arbeitsalltag. Moss (kluges Köpfchen mit gescheiteltem Afro, der noch bei seiner Mutter wohnt) und Roy (Nerd, der eine aussichtslose Sehnsucht nach einem normalen Leben außerhalb der IT-Abteilung hegt) bekommen Verstärkung von ihrer neuen Abteilungsleiterin Jen, die eigentlich gar keine Ahnung von Technik hat aber den beiden wunderbar als „Personal Relations Managerin“ aushilft. Lustig ist auch der sehr skurrile Chef von Reynholm Industries, Denholm Reynholm, welcher mit seinen verrückten Versuchen, seinen Laden zu steuern für viele interessante Momente sorgt, oder Richmond, ein Goth, der – ebenfalls ohne Ahnung von Technik – im Serverraum wohnt und … naja auf irgendetwas aufpasst. Wer auf britischen Humor und nerdige Figuren à la „Big Bang Theory“ steht, wird hier echt viel Spaß haben, denn „The IT Crowd“ ist quasi die Vorgängerproduktion, deren Idee in Amerika weitergesponnen wurde.

Diese Sitcom besteht aus 4 kurzen Staffeln mit insgesamt 25 Folgen, die von 2006 bis 2016 ausgestrahlt wurden. (Apropos Big Bang Theory und die Sache mit den Adaptionen: Es gibt sogar eine deutsche Adaption, die Sat.1 produzierte. Unter dem Titel „Das iTeam – Die Jungs an der Maus“ setzte sich die deutsche Produktion aber sehr schnell wieder selbst ab. Ein totaler Misserfolg.)

Marc-Philipp Schneider (Phil Osof) arbeitet und lebt als Cross-Media-Journalist in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur von MOVING MAN Infotainment betreut er bei netzwerk recherche die Liveblog-Redaktion. Zuvor arbeitete er unter anderem als Juniorkorrespondent für die Nachrichtenagentur JIJI Press, machte bei Deutsche Welle Station und produzierte diverse Radioformate für Lokalsender.
 

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Cover: striatic / flickr.com

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