Samstag, 16. April 2016
Von: Phil Osof
 

Seit einigen Tagen schlottern weltweiter Prominenz – vom Staatschef bis zum Fußballstar – die Knie. Die Panama Papers bringen lang unentdeckte Offshore-Geschäfte ans Licht, decken versteckte Milliarden auf und bringen einiges ins Wanken. Sie erhöhen den nötigen politischen und gesellschaftlichen Druck, Steueroasen trockenzulegen. Und sie zeigen auf, wie wichtig guter Recherche-Journalismus ist. 

Was innerhalb des letzten Jahres hinter verschlossenen Türen recherchiert wurde und heute als unvergleichbare Enthüllungsgeschichte Wellen schlägt, begann mit einer kurzen E-Mail an das Investigativteam der Süddeutschen Zeitung. Aus der ersten Nachricht des „John Doe“ wurde eine stetig wachsende Datensammlung geleakter Informationen über die Geheimnisse der Kanzlei „Mossack Fonseca“, die von Panama City aus anonyme Briefkastenfirmen gründet: Zur Vertuschung großer Vermögen etwa, zur Geldwäsche, zur Finanzierung von Krieg und Terror oder der Umgehung von Sanktionen. Circa 2,6 Terabyte groß ist die Datenmenge, die der anonyme John Doe nach und nach an die Journalisten schickte. Schon früh war klar, dass dieser Berg an Informationen nicht von einer einzelnen deutschen Redaktion ausgewertet werden kann. 

Zum einen liegt das an der großen Menge an elektronischer Post, Tabellen, PDFs, Bilder und Textdokumenten. Das Leak beinhaltet allein schon mehr als 4,8 Millionen E-Mails und 3 Millionen Datenbanken. Zum anderen machen die Informationen auch nicht an der deutschen Grenze halt. So fiel schon sehr früh die Entscheidung, die geheimen Daten grenzüberschreitend zu teilen, um eine bestmögliche Auswertung zu ermöglichen. Die Zusammenarbeit wurde mit dem der Zeitung vertrauten und spendenfinanzierten Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (kurz ICIJ) organisiert, welches das radikale Teilen von Informationen befürwortet und mit 200 vernetzten Journalisten das Ziel verfolgt, Korruption und Machtmissbrauch offenzulegen. In Deutschland gibt es fünf ICIJ-Mitglieder, darunter auch netzwerk recherche Vorsitzende und NDR Redakteurin Julia Stein, die bereits an den ICIJ-Projekten Offshore Leaks, LuxLeaks und SwissLeaks maßgeblich mitarbeitete.

Mehr als 100 Medienorganisationen …

Unter netzrecherche.org findet man die komplette Version des Texts zusammen mit einer sehr guten Link-Übersicht von Albrecht Ude. Reinschauen lohnt sich!

Marc-Philipp Schneider (Phil Osof) arbeitet und lebt als Cross-Media-Journalist in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur von MOVING MAN Infotainment betreut er bei netzwerk recherche die Liveblog-Redaktion. Zuvor arbeitete er unter anderem als Juniorkorrespondent für die Nachrichtenagentur JIJI Press, machte bei Deutsche Welle Station und produzierte diverse Radioformate für Lokalsender.
 

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