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Donnerstag, 20. Oktober 2016
Von: Phil Osof
 

Neele Neuhaus ist Autorin von Krimis und Jugendbüchern. Sie kann auf 7 Millionen verkaufte Bücher zurückblicken. Ihre Taunus-Krimis wurden so schnell so beliebt, dass der Ullstein-Verlag auf sie aufmerksam wurde. Selfpublishing als Erfolgsmodell?

Phil: Du hast 2005 entschieden, dein erstes Buch auf eigene Rechnung herauszubringen. Was waren deine die Gründe dafür?

Nele Neuhaus: Ja, ich habe keinen Verlag gefunden. Ich hatte mein erstes Buch geschrieben, es hatte 600 Seiten, ich war unbekannt, das Buch spielte in Amerika. Kein Verlag hat das wirtschaftliche Risiko eingehen wollen und das war fürs Buch nicht schlecht, weil ich hatte noch mal fünf, sechs Jahre Zeit, es zu überarbeiten. Irgendwann wollte ich es aber herausbringen und es gab damals ganz neu diese Möglichkeit, „Book on demande“ zu machen und ich habe die „Book on demande“-Sache halt als Druckerei benutzt und habe mir 500 Bücher drucken lassen und bin damals in das – damals gab es den Begriff Selfpublishing noch nicht, was man heute Selfpublishing nennt, eingestiegen.

Phil: War es eine größere Hürde, eigenes Geld in die Hand zu nehmen? Oder war es eine größere Hürde Verlage anzuschreiben?

Nele Neuhaus: Das mit dem Verlage-anschreiben habe ich sehr blauäugig gemacht. Ich habe nur gedacht: Das Buch ist fertig. Und dann habe ich das komplette Manuskript von 600 Seiten an die größten deutschen Verlage geschickt. Die haben es wahrscheinlich gleich durch den Reißwolf gelassen. Sowas macht man natürlich nicht. Man schickt ein Exposé und das erste Kapitel. Das wusste ich aber nicht. Und als ich dann gemerkt habe, dass es so nicht funktioniert – ich habe Absagen gekriegt, da war die Investition vom eigenen Geld keine große Hürde. Sondern ich habe gedacht: „Okay: Kalkuliertes Risiko! Ich nehme 3.500 Euro in die Hand und wenn das nicht funktioniert, kann ich höchstens 3.500 Euro ruinieren.“ Das ich sie im Endeffekt nicht ruiniert habe, war mein Glück, aber ich glaube viel mehr hätte ich nicht investiert. Wenn das nicht geklappt hätte, hätte ich es gelassen.

Phil: Dein neues Buch „Der Wald“ und auch die vorhergehenden Bücher seit 2008 werden vom Ullstein-Verlag verlegt. Für dich war das ja dann eigentlich auch super, durch das Selfpublishing bekannt zu werden. Kann man das Selfpublishing als Stepstone begreifen oder ist es auch eine Lösung für eine allgemeine Lebensgrundlage?

Nele Neuhaus: Also ich denke, dass sich das in den letzten Jahren sehr sehr verändert hat. Als ich das 2005 gemacht habe, war es extrem verpönt, selbst Bücher zu verlegen. Ich kann mich gut an eine Pressekonferenz erinnern, zu der ich eingeladen war. Das war eine Veranstaltungsreihe bei uns in der Region. Da sagte ein Autor, der bei irgendeinem Verlag war: „Als Selbstverleger haben Sie sowieso keine Chance.“ Es hieß, wenn du dein Buch selber drucken, hast du keine Chance mehr, einen Verlag zu finden. Es war die totale Sackgasse. Insofern hat sich das unwahrscheinlich verändert und ich bin stolz und froh, dass ich vielleicht ein bisschen dazu habe beitragen können, weil ich eben das gute Beispiel bin, dass es doch geht: Wenn man ein Buch vorher schon mal verlegt hat, dass man es eben trotzdem noch bei einem anderen Verlag – oder einem richtig Verlag – unterbringen kann. Und deswegen glaube ich, dass es zuerst eine Hürde war, aber dann habe ich für viele viele Menschen, die mir nachgeeifert haben, einen Weg geebnet und diese Selfpublishing auch mit etabliert.

Phil: Ein eigenes Buch zu schreiben und es dann auch gleich selbst zu vermarkten als Selfpublisher ist ja auch etwas, wozu man sehr viel Durchhaltevermögen braucht, nicht wahr? Es gibt ja aber auch die Tage, da gibt es eine Flaute. Was machst du persönlich, um dich dann an diesen Tag doch irgendwie aus dem Trott rauszuholen?

Nele Neuhaus: Es ist wie in jedem Beruf oder überall im LebeNeele Neuhaus: Mal hat man gute Tage, mal hat man schlechte Tage. Und beim Schreiben ist es eben gerade wenn man Verträge hat, die man erfüllen muss, eine große Anforderung. Und wenn ich merke, es läuft heute nicht so, dann lasse ich es entweder und mache wirklich was ganz anderes. Ich pflege dann einfach mal meine Social-Media-Kontakte. Oder wenn ich merke, ich stecke richtig fest mit der Geschichte und habe jetzt gerade keine Idee, wie es weitergeht, schreibe ich zwischendurch mal ein Jugendbuch. Und dadurch, dass man das Genre ändert, die Sprache und auch das Ziel, geht es dann wieder. Dann läuft es wieder. Aber eine richtige Schreibblockade hatte ich noch nie und kenne ich nicht und ich hoffe, davon bleibe ich auch verschont.

Marc-Philipp Schneider (Phil Osof) arbeitet und lebt als Cross-Media-Journalist in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur von MOVING MAN Infotainment betreut er bei netzwerk recherche die Liveblog-Redaktion. Zuvor arbeitete er unter anderem als Juniorkorrespondent für die Nachrichtenagentur JIJI Press, machte bei Deutsche Welle Station und produzierte diverse Radioformate für Lokalsender.
 

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