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Freitag, 29. Juli 2016
Von: Phil Osof
 

Die finnische Hauptstadt bietet als Reiseziel einige interessante Orte, die man nicht verpassen sollte. 15 persönliche Highlights möchte ich euch in dieser Reihe über Helsinki vorstellen. Dies ist der erste Teil.

Helsinki ist nicht gerade die günstigste Stadt der Welt (wir berichteten, wie man trotzdem günstig in Finnland Urlaub machen und reisen kann). Die touristischen Sehenswürdigkeiten, die ich euch hier vorstelle, kosten aber keinen Eintritt. Im Zentrum Helsinkis ist alles fußläufig erreichbar. Für andere Orte ist aber ein Ticket für Zug, Bus oder Fähre vonnöten, wie man auf der Karte gut erkennen kann (vor allem der wunderschöne Nationalpark ist ein wenig abseits – so sehr, dass man ein wenig herauszoomen muss, um die Markierung zu sehen). Die in der Karte markierten Orte sind der Reihenfolge nach im Text dick und farbig markiert.

In diesem Beitrag fangen wir mit den Orten an, die man als Tourist auf jeden Fall gesehen haben sollte. Auf der Karte sind das die blauen „Stecknadeln“. Da es ein Verkehrsknotenpunkt ist, starten wir bei dem Hauptbahnhof, der bereits schon schön anzusehen ist. Von hier aus kann man einfach über die Keskuskatu nach Süden laufen und die Haupteinkaufsstraße Alexanterinkatu erreichen. Hier ist ein wenig mehr los und außerdem fahren hier ein paar wichtige Tramlinien lang, die einen zu anderen Sehenswürdigkeiten, zu dem Hafen und den Schiffterminals im Osten oder auch zu den westlichen Stadtteilen bringen. Folgt man ihr Richtung Osten, erreicht man den Senatsplatz, von dem aus Stufen zum Dom von Helsinki hinaufführen.

Der Dom von Helsinki

Der Dom von Helsinki

Dieses klassizistische Gebäude wurde von 1830 bis 1852 nach den Plänen des deutsch-finnischen Architekten und Malers Johann Carl Ludwig Engel errichtet. Auch der Senatsplatz, das Hauptgebäude der Universität und die Universitätsbibliothek wurden von ihm konstruiert. Die vollständige Errichtung erlebte Engel allerdings nicht. Er verstarb 1840 bereits vor Fertigstellung vieler seiner Entwürfe. Der Sohn eines Berliner Maurermeisters war Generalintendant des Bauwesens für das Großfürstentum Finnland, das damals zu Russland gehörte aber bis zu der Erlangung der Unabhängigkeit unter eine weitgehende autonome Verwaltung gestellt wurde. Zuvor war Finnland ebenfalls nicht unabhängig. Seit dem Mittelalter wurde das Land von der schwedischen Krone regiert, deren Macht allerdings im 18. Jahrhundert schwand. In den napoleonischen Koalitionskriegen befanden sich Russland und das mit Großbritannien verpartnerte Schweden im Krieg, bei dem Finnland drei Mal (von 1714 bis 1721, 1741 bis 1743 und erneut 1808) russisch besetzt wurde. Stück für Stück musste Schweden dabei Gebiete Finnlands abtreten. Nach dem Russisch-Schwedischen Krieg von 1808 bis 1809 wurde das Großfürstentum Finnland zu dem autonomen Bestandteil Russlands, in dem Carl Ludwig Engel als Baumeister arbeitete. Der Dom wurde zu dieser Zeit dem russischen Zaren Nikolaus I. gewidmet. 1917 erlangte Finnland infolge der russischen Revolutionen die Unabhängigkeit und die „Kirche des heiligen Nikolaus“ wurde in „Suurkirkko“ umbenannt, was so viel wie Großkirche bedeutet. Erst 1959 bekam der Dom seine heutige Bezeichnung als in der Stadt das evangelisch-lutherische Bistum Helsinki gegründet wurde.

Vom Senatsplatz kann man sich erneut südlich orientieren, um zu dem am Ende der Flaniermeile Esplanade gelegenen Marktplatz am Hafen zu kommen. Hier findet man neben einigen touristischen Artikeln auch mehrere Kunsthandwerker und ein paar Köstlichkeiten vom Grill. Mittig reckt sich der „Stein der Zarin“ gen Himmel. Dieser Obelisk ist Helsinkis ältestes Denkmal, das den ersten Besuch von Zar Nikolaus I. und seiner Frau Kaiserin Alexandra Fjodorowna von Russland (gebürtige Charlotte von Preußen) gedenken soll.

Ganz in der Nähe befindet sich die Alte Markthalle (Vanha Kauppahalli). Sie ist ein roter Backsteinbau aus dem Jahre 1888, der direkt am Südhafen gelegen ist. Heute ist er Anziehungspunkt für die kulinarischen Liebhaber der Stadt und für viele Touristen. Es lohnt sich, den frühen Morgen für einen Besuch freizuhalten, damit man in aller Gemütlichkeit zwischen den Holzständen mit allen möglichen Delikatessen schlendern oder einen Tisch in einem der Restaurants und Cafés ergattern kann. Zum Nachmittag hin ist der Andrang am größten.

"Stein der Zarin" auf dem Marktplatz von Helsinki (Creative Commons by Paramecium)

„Stein der Zarin“ auf dem Marktplatz von Helsinki (Creative Commons by Paramecium)

Der Südhafen Helsinkis mit Blick auf die alte Markthalle

Vom Südhafen aus gelangt man über eine Brücke zu der östlich gelegenen Insel Katajanokka. Die Zeit des Großfürstentums und des starken Einflusses Russlands auf Finnland, hat ein sehr prominent platziertes Gebäude hinterlassen. Auf einem Felsen thront die russisch-orthodoxe Uspenski-Kathedrale, die – 1868 errichtet – die Macht Russlands unterstreichen sollte. Das Kirchengebäude ist die größte orthodoxe Kathedrale in Europa, deren rote Fassade und die zahlreiche Kuppeln ein markanter Bestandteil des Stadtbildes von Helsinki sind. Ebenso markant und prachtvoll ist auch die Gestaltung des Innenraums. Die orthodoxe Kirche ist neben der evangelisch-lutherischen eine der beiden Volkskirchen des Landes.

Die Uspenski-Kathetrale

Die Uspenski-Kathetrale

Allerdings gehören nur 1,1 Prozent der Bevölkerung diesem Glauben an. Das sind nur 60.000 Menschen. Der größte Teil der Bevölkerung, 77 Prozent, sind hingegen evangelisch.

Aber reisen wir doch noch ein wenig mehr in die Vergangenheit und besuchen wir einen Ort, der als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet ist. Wir verlassen das 19. Jahrhundert wieder und kehren in jene Zeit zurück, in der Finnland noch Schweden angehörte. Damals errichtete Peter der Große um 1703 die Hafenstadt Sankt Petersburg und begann, die russische Seemacht in der Ostsee auszubauen. Helsinki musste sich vor Angriffen von der Seeseite besser schützen und rüstete die Inseln vor der Stadt zu einer Festung auf.

Befestigungen aus Stein auf Suomenlinna

Befestigungen aus Stein auf Suomenlinna

Suomenlinna gehört heute zu den beliebtesten Ausflugszielen, da die historische Festung mit ihren 80 Hektar zu gemütlichen Spaziergängen oder auch dem Besuch der Museen einlädt. Sie kann vom Südhafen aus mit der Fähre erreicht werden. Zwischen den einzelnen Inseln der Festung sind Brücken geschlagen oder es wurde durch Landaufschüttungen der Übergang möglich gemacht. Bis auf ein kleiner Teil der Anlage, der noch heute vom Militär genutzt wird, sind alle Bereiche frei zugänglich. Zwischen 1748 und 1973 wurden hier die noch heute stehenden 105 Kanonen und 200 Gebäude unter dem Namen Sveaborg zur Abwehr genutzt. Wie wir bereits wissen, konnten die russischen Invasoren zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht mehr abgewehrt werden. Allerdings sorgte die Festungsinsel für großen Widerstand und spielte eine Schlüsselrolle bei der Verteidigung des Festlands. Sie hielt sogar – genau genommen – länger durch als Helsinki selbst. Erst als der Kommandant Carl von Cronstedt kapitulierte, war es Zar Nikolaus Romanow möglich, ganz Finnland einzunehmen.

Damit ist die Geschichte der Festungsinsel aber noch nicht zu Ende erzählt, denn unter russischer Herrschaft wurde sie weiter ausgebaut und in Kriegen wie dem Krimkrieg und dem ersten Weltkrieg zur Verteidigung gegen Frankreich, England und Deutschland eingesetzt, bei der die Insel schwere Schäden erlitt. Mit der Unabhängigkeit Finnlands ging Sveaborg, genutzt als Kriegsgefangenenlager, wieder in finnische Hände über und wurde letztlich in Suomenlinna umbenannt. Aktiv genutzt wurde die Festung noch mal im zweiten Weltkrieg bis sie daraufhin schließlich für das Militär uninteressant wurde.

Heute ist Suomenlinna ein Stadtteil Helsinkis mit 800 Einwohnern. Die Festungsanlagen werden heute als Wohnungen, Werkstätten, Veranstaltungsräume, Gaststätten und Museen genutzt.

Sieht ein wenig nach dem Auenland aus: Die Bunker auf Suomenlinna

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Nuuksio-Nationalpark

Ab ins Grüne: Der Nuuksio-Nationalpark läd zu jeder Jahreszeit ein

Nicht südöstllich in Helsinki wie die Festungsinsel, sondern nordwestlich von der Hauptstadt lohnt sich ein Ausflug in die finnischen Wälder. Der Nuuksio-Nationalpark in der Gemeinde Espoo kann mit Zug und Bus gut erreicht werden und bietet die beste Wohlfühlatmosphäre für Frischluftfanatiker. Hier kann man entweder auf mehr oder minder befestigten Wanderrouten oder auch querfeldein die Natur mit ihren Felsen, Seen und Mooren erkunden. Außerdem kann man auf die Suche nach der seltenen Hörnchenart Gleithörnchen (oder auch Flughörnchen) gehen, die in diesem Park eine besondere Population genießen. Wer will, kann hier nachts sein Zelt aufschlagen oder in einem der Ferienhütten übernachten. Ein Besuch ist ein Muss für jeden Naturfan.

Marc-Philipp Schneider (Phil Osof) arbeitet und lebt als Cross-Media-Journalist in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur von MOVING MAN Infotainment betreut er bei netzwerk recherche die Liveblog-Redaktion. Zuvor arbeitete er unter anderem als Juniorkorrespondent für die Nachrichtenagentur JIJI Press, machte bei Deutsche Welle Station und produzierte diverse Radioformate für Lokalsender.
 

Kommentare & Pingbacks (3)


Ja, Helsinki zu besuchen hat auch echt Spaß gemacht. Im Sommer ist es aber vielleicht noch viel schöner als in der kalten Jahreszeit. 😉


Wenn ich alles lese, finde ich es nicht mehr so schlimm hier zu sein hahahaha… Helsinki hat doch seinen schöne Teil ; )


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Ich habe mich zur Vertonung an zwei fremden Dateien bedient, weil ich sie vor Ort vergessen habe, mit dem Mikrofon zu erfassen. Danke an www.yamicreative.fi - Die Sounds von Bahnhof und Metro habe ich von ihrem Account bei freesound.org verwand. (Unter cc-attribution-Lizenz)

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