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Samstag, 21. November 2015
Von: Phil Osof
 

Zwei Jahre nach meinem ersten Zusammentreffen mit dem Liedermacher und Songwriter Lukas Meister, traf ich den Musiker in seinem Proberaum in Berlin wieder. Gerade ist das zweite Album im Kasten, das Crowdfunding zur Refinanzierung ist im vollen Gange. Ich wollte von ihm wissen, wie er sich an das Künstlerleben gewöhnt hat.

PHIL: Schön, schön habt ihr es hier! Du hast eben gerade erzählt, das ist ein Co-Working-Space. Das ist quasi Arbeiten 2.0 in Berlin, oder?

LUKAS: Genau, wenn man sich kein eigenes Büro leisten kann, dann ist das eine ganz nette Sache.

PHIL: Wir haben uns das letzte Mal getroffen – das ist jetzt dann auch schon, haben wir gerade festgestellt, zwei Jahre her – in Tübingen, oder?

LUKAS: Genau. Ziemlich genau zwei Jahre, glaube ich.

PHIL: Wir haben auf jeden Fall die Weihnachtssendung damals vorbereitet und haben warme Getränke in einem auch schon recht weihnachtlich geschmückten Café zu uns genommen. Und wir haben über dein erstes Album geredet. Ich hatte damals gesagt, deine Musik passt ja auch sehr gut in die kalte warme Jahreszeit. Kuschelig warm ist das. Und da hast du gesagt, damals: Naja, am Lagerfeuer spielen kann man das auch. Jetzt sind ein paar Jahre vergangen. Und? Würdest du jetzt sagen, lieber Lagerfeuer oder lieber Kaminfeuer? Oder wenn wir bei dieser Bildsprache bleiben: Hauptsache Feuer?

LUKAS: Ich glaube, Feuer ist immer gut. Ich glaube, ich habe in meinem Leben mehr an Lagerfeuern gespielt als an Kaminen. Ich kenne so wenig Leute, die einen Kamin haben. Das ginge aber bestimmt auch und ließ sich einrichten.

PHIL: Damals bis du durch Deutschland getourt und hast parallel noch dein Staatsexamen fertig gemacht. Hast du dich jetzt komplett fürs Künstlerleben entschieden oder läuft das parallel weiter?

LUKAS: Genau. Das ging noch ein bisschen. Da habe ich, glaube ich, gerade die Zulassungsarbeit geschrieben. Ich habe letztes Jahr dann mein Staatsexamen gemacht und habe aber parallel, während ich gelernt habe, schon die nächste Tour gebucht und jetzt mache ich nur noch Musik gerade.

PHIL: Auch zusammen mit Band bist du unterwegs. Hast du da deine festen Mitglieder, mit denen du jedes Mal um die Häuser ziehst, oder wie organisiert ihr das?

LUKAS: Also wir waren 2014 zwei Mal mit Band auf Tour. Das waren drei Leute. Veronika, Caro und Clemens. Das heißt, Backing, Vocals, Schlagzeug und E-Bass. Der Sound war dann schon sehr bandmäßig am Schluss. Manchmal variierte das, je nach Bühnengröße, natürlich auch. Also Timmy ist zum Beispiel manchmal dabei an den Trommeln, wenn weniger Platz ist für ein ganzes Schlagzeug, was durchaus mal vorkommen kann (lacht). Und ich mache auch im Moment ganz viel alleine, weil ich einfach sehr flexibel bin und dann schön im Zug rum fahren kann. Das spart Geld und man ist entspannter als wenn man jetzt fünf Stunden Autofahrt hinter sich hat.

PHIL: Aber die Idee, mit Band loszuziehen, ist eine für die Zukunft? Oder würdest du sagen, es bleibt eigentlich bei Lukas Meister und du machst quasi dein Ding und wenn es passt, dann sind andere mit dabei?

LUKAS: Ich glaube, ich würde schon gerne flexibel bleiben. Ich mag das total, mit anderen Leuten zusammen zu spielen. Auch weil mein teilweise beim Arrangement und so, beim Song schreiben auf Sachen kommt, die einem sonst nicht eingefallen wären vielleicht, weil man halt nicht denkt wie ein Schlagzeuger oder wie ein Bassist. Ich werde schon immer mir Leute dazu holen, aber so genau kann ich noch nicht abschätzen im Moment, was da auf mich zukommt.

PHIL: Das ist dann wahrscheinlich genauso flexibel entstanden, oder? Ihr habt euch jetzt irgendwo kennengelernt und dann wurde die Frage gestellt: Ah, möchtest du mal für mich trommeln?

LUKAS: Ja, das ging eigentlich über Bekannte. Da wurde ich weiter vermittelt und die Leute wurden mir empfohlen. Ziemlich kurz vor der Tour haben wir dann noch festgestellt, dass der Bassist, den wir eigentlich mitnehmen wollten, gar nicht mitkommen kann. Und dann haben wir, Gott sei Dank, noch Clemens gefunden, der dann mit kam. Und das lief ganz gut. Das haben wir dann im Herbst gleich noch mal gemacht. Also es war sehr spontan und man hat sich da so zusammengefunden, aber es war eine gute Konstellation.

PHIL: Auf dem Album bist du aber schon dann mit Band zu hören. Machst du da Unterschiede: „Das ist jetzt ein Stück, da muss jetzt richtig reingehauen werden mit Schlagzeug, mit Bass“ und „das ist jetzt ein Stück, da reicht es, wenn man irgendwie solo nur mit Gitarre auftritt“? Hast du da auch einen bestimmten Plan, das muss jetzt irgendwie 50:50 sein, oder ergibt sich das einfach?

LUKAS: Das hat sich beim letzten Album so ergeben einfach, dass man mal was rumprobiert hat und dann war das ganz nett und dann haben das wir im Studio so gemacht. Diesmal habe ich mir Mühe gegeben, für jeden Song einfach, meiner Meinung nach das Perfekte herauszufinden: Das passt zu dem Song. Manche Sachen wirken einfach besser, wenn ich sie alleine spiele. Und, ich glaube, ich habe gar nicht so drauf geachtet, wie viel Prozent vom Album mit wie viel Instrumenten gespielt sind, sondern einfach geguckt, dass jeder Song das kriegt, was er braucht. Und das, glaube ich, hat ganz gut geklappt.

PHIL: „Gold – Zeit – Raketen“ heißt das neue Album. Ihr seid gerade damit fertig, oder? Ihr seid auch schon ein bisschen auf Tour. Letzte Woche habe ich die Ehre gehabt, mir das mal anhören zu können. Ihr habt auch ein paar neue Stücke gespielt. Und du hast gesagt: „Ah, das verfluchte zweite Album!“ War es denn so ‚verflucht‘?

LUKAS: Ich glaube, das ist mehr so eine Kopfsache. Also ich habe schon eine Weile gebracht, ne? Jetzt liegen zwei Jahre dazwischen. Viel länger hätte es für mich auch nicht dauern dürfen, weil man dann irgendwann aufhört, sich selber als Künstler ernst zu nehmen, wenn man nichts mehr produziert. Es war eher so die Anfangszeit, dass ich nach dem ersten Album einfach das Gefühl hatte, jetzt kommt einfach nichts mehr und wie soll ich jemals wieder etwas machen, was ich ansatzweise gut finde, das wird bestimmt nicht passieren. Und das hat sich angefühlt wie eine richtig lange Zeit. Ich glaube, im Endeffekt hat es gar nicht lange gedauert und dann habe ich wieder mal einen Song geschrieben und ich habe mit weniger Stress gemacht und gleichzeitig ein bisschen an mir gearbeitet, dass ich auch mal einen Song schreiben kann, ohne dass es mir total schlecht geht oder so. Also eigentlich waren da schon viel Schweiß und Tränen und viel viel Arbeit. Einfach auch nächtelanges Wachliegen und Überlegungen. Was macht man? Wie klingt das? Wo nimmt man es auf? Wie geht das? Was passt am besten? Verflucht würde ich nicht sagen, aber es war schon viel Arbeit.

PHIL: Das heißt, so eine Eingebung ist das eigentlich nicht bei dir, wenn du lange da liegst und sagst: „Ah, ich muss das jetzt so machen und so machen…“. Also das heißt jetzt nicht, da kommt jetzt irgendwie so eine Melodie in den Kopf und du sagst: „Boah, so machen wir das!“?

LUKAS: Doch, das Song schreiben in dem Moment schon. Ich schreibe die Sachen dann eher schnell. Mir kommt eine Idee und dann halte ich die fest und dann spiele ich das. Und natürlich verändert sich das so ein bisschen im Laufe der Zeit auch wenn man es mit der Band spielt oder so. Das Arrangement verändert sich und die Dynamik vielleicht. Oder vielleicht fallen einem noch anderen Instrumente ein, die man dazu nehmen könnte. Der Song an sich ist relativ schnell geschrieben, also die Grundidee. Es ging eher darum, wie man das, dass es eine homogene CD wird, dass es nicht klingt, wie zehn verschiedene Bands und zwölf Songs.

PHIL: Bei dem Album vorher haben wir festgestellt, das sind Lieder, die gehen um Partnerschaft, Trennung und Solodasein. Eine Frau ist auch nicht lebend davongekommen.

LUKAS: (lacht) Stimmt.

PHIL: Könnte man diesmal das Album auch wieder zusammenfassen oder würdest du sagen, das geht dann irgendwie weiter?

LUKAS: Es ist teilweise ein bisschen abstrakter. Es ist, vielleicht könnte man sagen, ein bisschen weniger erzählend, ein bisschen mehr Pop, bisschen weniger Liedermacher. Aber es ist schwierig. Man müsste es, glaube ich, tatsächlich hören. Ich habe mich ein bisschen mehr ausgetobt, was Sounds und sowas angeht. Bei dem ersten Album war es mir wichtig, dass es ungefähr so klingt, wie wenn ich alleine auf der Bühne stehe und spiele – mit keinen Begleit-Sahnehäubchen. Bei dem neuen Album habe ich gesagt: Es ist mir egal, ob es so klingt, wie wenn ich alleine spiele. Es soll einfach so gut klingen, wie es der jeweilige Song verdient.

PHIL: Wenn jetzt ein Radiosender dich fragen würde, was für ein Titel das Album repräsentiert, ist das gar nicht so einfach zu beantworten, oder? Wenn ich das richtig verstanden habe, gibt es einen Titel, der passt zu Gold, es gibt einen Titel, der passt zu Zeit, und es passt einen Titel, der passt zu Raketen.

LUKAS: Genau das war der Plan nach der Albumbenennung. Diese drei Lieder, „Golden“, „Die Zeit“ und „Raketen“: Das war dann so die Quersumme praktisch. Das, was so ein bisschen den Sound absteckt von dem Album. Aber richtig zu sagen, ein Song repräsentiert alles, ist sehr schwierig, weil es auch sehr verschiedene, sehr reduzierte, sehr laute Sachen gibt. Aber es war mir auch wichtig. Ich mag immer solche CD’s nicht, wo man merkt: Das ist der Hit und der Rest ist Beiwerk. Das wollte ich auch nicht machen. Ich wollte schon ein Album machen, wo man sich mit jedem Song einlassen kann. Das sind so drei Beispiele, die ich quasi dienlich fand, um das Soundspektrum abzustecken. Und ansonsten bin ich dafür, dass man Alben auch mal so hört wie früher, als es nur Schallplatten gab. Dass man einfach mal die Reihenfolge so durchhört und nicht anfängt weiterzuskippen nach der Hälfte vom ersten Song. (lacht)

PHIL: Kommen wir noch mal zurück zum Crowdfunding. Du hast schon sehr viel Geld gesammelt. Läuft es gut? Glaubst du, du schaffst es, bis zum Ende des Crowdfundings das Geld zu refinanzieren?

LUKAS: Also das komplette ist schwierig. Ich habe ja auch schon die Kosten o angesetzt, das mir ein gewisser Eigenanteil bleibt – was ich halt so noch erspart hatte. Ich glaube, dass es kappen kann, dieses Fundraising-Ziel zu erreichen. Wir sind jetzt bei knapp 3.200 – ein bisschen drunter noch. Und mich haben schon einige Leute noch wissen lassen, dass sie noch was machen werden. Das ist also auch gut. Ich kann mir vorstellen, dass es klappt und es wäre auch sehr schön. Denn das alles zusammen kostet natürlich echt viel Geld.

PHIL: Das ist auch ein bisschen so das Konzept, oder? Das Album sollte schon irgendwie finanziert sein. Dann gehst du auf Tour. Die Tour finanziert sich auch durch das, was du dann sammelst quasi selbst?

LUKAS: Die Tour finanziert sich durch die Tour. Also das Geld von dem Crowdfunding ist wirklich nur für die CD. Wenn da ein bisschen mehr übrig bleibt, gerne auch noch für Promo oder sowas für eine Agentur. Aber die Konzerte: Die müssen sich schon selbst tragen.

PHIL: Und dann geht es eigentlich darum, größer zu werden.

LUKAS: Genau. Also ich denke, bei dem Album war es mir wichtig, dass es so wird, dass ich sagen kann: „Besser kann ich nicht und jetzt nehmt, fresst oder lasst es bleiben.“ (lacht) Also ich habe jetzt ein Produkt, mit dem ich gut arbeiten kann und das ich gut vertreten kann, das ich gut bewerben kann. Dadurch soll dann die Bekanntheit gesteigert werden noch durch Promotion und Radiotermine und was weiß ich alles.

PHIL: Ja, Radiotermine hast du ja einige. Du bist ja bei meinen Kollegen hier in Berlin öfters vorstellig. Hast du denn schon irgendwelche teufelsartigen Angebote von großen Plattenfirmen bekommen, die sagen, die wollen dich übernehmen?

LUKAS: Ne, bisher hat sich noch niemand gemeldet, aber es hat ja auch noch niemand das neue Album gehört. (lacht) Also, ich gehe dann ganz stark davon aus, dass die dann spätestens einen Tag nach dem Release alle auf der Matte stehen würden.

PHIL: Würdest du dann nicht die kleinen Bühnen vermissen, die du jetzt gerade bespielst? So kleine Hinterbars, wo man Angst haben muss, von der Bühne zu stolpern?

LUKAS: Ja, ein bisschen. Aber ich glaube, das kann man immer noch machen. Ich glaube, nach unten ist immer offen, ne? (lacht)

PHIL: Auf jeden Fall wünsche ich dir sehr viel Erfolg mit dem neuen Album und dass du bald schon größere Bühnen bespielen kannst. Fans sind ja zur Genüge da. Also das Konzert hier am Freitag war proppevoll. Wo könnte man denn deine Konzerttermine sehen und wo kann man denn jetzt noch kurzfristig beim Crowdfunding beteiligen?

LUKAS: Also die Konzerte stehen natürlich auf meiner Homepage www.lukasmeister.de. Und das Crowdfunding findet man unter www.startnext.com/goldzeitraketen. Da kann man sich dann angucken, da gibt es verschiedene Sachen zu bestellen und da kann man mich unterstützen.

PHIL: Ok. Ich wünsche dir eine gute Zeit!

LUKAS: Vielen Dank.

Marc-Philipp Schneider (Phil Osof) arbeitet und lebt als Cross-Media-Journalist in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur von MOVING MAN Infotainment betreut er bei netzwerk recherche die Liveblog-Redaktion. Zuvor arbeitete er unter anderem als Juniorkorrespondent für die Nachrichtenagentur JIJI Press, machte bei Deutsche Welle Station und produzierte diverse Radioformate für Lokalsender.
 

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Intro & Outro: ”Go Cart” Kevin MacLeod (incompetech.com) Licensed under Creative Commons: By Attribution 3.0

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