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Sonntag, 5. Juni 2016
Von: Phil Osof
 

Finnland lässt sich von den Kosten her folgendermaßen zusammenfassen: Reisen hui, Stillstand pfui. Vor allem in Helsinki muss man von hohen Lebenskosten ausgehen. Hier muss man clever haushalten. Dafür kommt man von der Hafenstadt sehr günstig zu weiteren sehenswerten Reisezielen.

Es ist länger her, dass ich das letzte Mal eine Reisedokumentation schrieb. 2011 wuchs die Radiodokumentation über Japan zu etwas heran, was man ebenso als einen zeitnahen Reisebericht (mit Bezug zu der dreifachen Katastrophe in Fukushima) bezeichnen könnte. Die Anfänge der „Low Budget“-Reihe, nach der dieser Artikel benannt ist, lassen sich auf 2008 verordnen. Damals reisten Heiko Donat und ich nach Paris mit einer einzigen „Spielregel“: Wer weniger für die gesamte Reise bezahlt, gewinnt. Die täglichen Erlebnisse (und Ausgaben) protokollierten wir in einem Podcast. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wer gewann. Wir beide hatten erstaunlich wenig Geld ausgegeben. Aber wir waren uns nach diesem Experiment auch über eines einig: Jemand, der das so krass handhabt wie wir, wird keinen schönen Urlaub haben. Natürlich sollte man die einzelnen Spartips in jeglichen Ratgebern auch nur dann befolgen, wenn man sie persönlich verkraften kann, ohne sich seine wenigen freien Tage zu verscherzen. Trotzdem werde ich die ganze Sparerei während meiner zwei Wochen in den nordischen Ländern nicht allzu ernst nehmen. Aber keine Sorge, ich komme dennoch recht günstig davon.

Helsinki als Heimathafen

Obwohl es mich auf dieser Reise auch in andere Städte tragen wird, steht im Mittelpunkt dieses Artikels der Aufenthalt im auserkorenen Heimathafen Helsinki. An den Kassen der Hauptstadt Finnlands schaut man als verwöhnter Berliner oft erstaunt aus der Wäsche. Auch kleine Einkäufe können gut ins Geld gehen. Wenn man dann etwas wie Käse statt Jogurt kauft, weil man der finnischen Sprache nicht mächtig ist, tut das besonders weh. Auch das Wohnen und die Nahverkehrsmittel sind nicht gerade günstig. Dafür kommt man aber sehr preiswert weit weg. Wollen die uns damit irgendetwas sagen?

Anreise

Ein Flug von Deutschland nach Finnland (in diesem Fall von Berlin zum Helsinki Vantaa Airport) ist recht günstig. Ich habe für Hin- und Rückflug mit airberlin 135 Euro (also 68 Euro die Strecke) bezahlt. Wenn man frühzeitig bucht, kommt man aber auch für circa 115 bis 120 Euro mit anderen Airlines wie airBaltic hin und zurück. Hier kann ich euch aber nicht versichern, ob ihr auch so viel Gepäck mitnehmen könnt. Ich hatte Bedarf für einige Hosen und Pullover, von denen ich am Ende nur die wärmste Kombination trage. (Aber beim Packen ist man ja dann doch modebewusster.)

Nahverkehr

Das mit dem Nahverkehrsmitteln und der finnischen Hauptstadt ist ein wenig tricky. Soweit ich das richtig verstanden habe, kann man zwar überall in Helsinki seine elektronische Fahrkarte an den Automaten aufladen, doch eine Möglichkeit, diese jene elektronisch aufladbare Karte (für 5 Euro) zu bekommen, gibt es am Flughafen nicht. (Bitte verbessert mich, wenn ich da falsch liege.) Aber so schlimm ist das gar nicht, wenn man ebenfalls mit einem Ticket aus Papier zufrieden ist.

Hier lohnt es sich, direkt für mehrere Tage vorzuplanen, sonst muss man sich mit Einzelfahrten oder einem einzelnen Tagesticket durchschlagen. Die kann man direkt beim Fahrer oder dem Zugbegleiter kaufen, sind aber leider ein wenig teuer. Je nachdem, wo man hinfährt, kostet eine Einzelfahrt dann schon mal 4 oder 5 Euro. Ein Tagesticket kostet bereits 8 Euro. Kombiniert mit weiteren Tagen wird es aber günstiger. Am meisten lohnt sich, 7 Tage zusammen zu buchen, sollte man sie auch in der Stadt verbringen. (Das ist leider das Maximum. Zwar gibt es auch die Möglichkeit, 14 Tage für einen riesigen Preisvorteil zu buchen. Da man dafür aber eine Meldeadresse in Helsinki braucht, ist das für uns Touristen leider nicht buchbar.) Am Ende bezahle ich jetzt für 16 Tage (von denen ich 3 Tage keine Fahrkarte brauchte und deshalb nur 13 buchte) schmerzhafte 90 Euro.

Das folgende Angebot ist zwar nur bedingt für Sparer geeignet, doch der Vollständigkeit halber erzähle ich euch auch gerne von den gesonderten Touristentickets mit Vergünstigungen für Museen und Restaurants, wie der Festungsinsel Suomenlinna, dem Riesenrad, dem Kunst-, National- oder Naturkundemuseum, dem Zoo oder auch dem Hard Rock Cafe. Es gibt drei Versionen, die 1, 2 oder 3 Tage Gültigkeit haben, bei einer Preisspanne von 44 (für 1 Tag) bis 64 Euro (für 3 Tage). Mehr Informationen zu der Helsinki Card findet man unter www.helsinkicard.com.

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Reflektierende Fahrkarte Mit der reflektierenden Rückseite der Fahrkarten kann man auch im Dunkeln dem Bus winken. (Handydisplays sind auch ok)

Ansonsten ist das mit dem Nahverkehr eigentlich ziemlich einfach. Einzig und allein die Busfahrten gestalten sich bereits an der Haltestelle schwierig, wenn man nicht weiß, warum die Busse einfach vorbeifahren. Herbeiwinken hilft. (Die Fahrkarten sind extra mit einer reflektierenden Fläche ausgestattet.)

Unterkunft

Bei der Unterkunft haben wir viel Glück mit einem sehr günstigen Airbnb. Für alle, die nicht wissen, was das ist: Das sind private Kurzzeitvermietungen. Unter www.airbnb.de kann man versuchen, sich ein günstiges Zimmer zur ergattern. Couchsurfing gibt es in Helsinki natürlich auch. Zwar ist das im Vergleich kostenfrei, doch hier ist es umso schwerer, fündig zu werden. Im Schnitt kommt man mit Airbnb in Helsinki mit 25 bis 35 Euro pro Nacht zum Zug – mindestens. Das entspricht auch ungefähr den günstigen Hostelbetten in Mehrbetträumen. Bei meiner Recherche lagen die günstigsten Angebote bei 23,20 Euro pro Nacht. „Pfui Teufel ist das teuer!!!“, mögt ihr jetzt vielleicht denken? Ja, ist auch so. Aber keine Sorge, dafür kommen später in diesem Artikel ganz besondere Absätze, die euch und eurem Portemonnaie ein wenig Ruhe und Glückseligkeit verschaffen.

Verpflegung

Noch ein mal kurz tief durchatmen: Ausgehen ist nicht günstig. Es lohnt sich also, im Supermarkt einzukaufen und selber zu kochen. Während der Schiffreisen, die ich im weiteren Verlauf der Reisedokumentation anspreche, kann man sich allerdings die Bäuche beim Flat-Buffet vollschlanken. Dort kann man auch Tax-Free einkaufen – was hier und da der Berliner Preislage gleichkommt.

Allgemein kann man das untere Preissegment in Helsinki auf 8-12 Euro in niedlichen Cafés und 12-20 Euro pro preiswerte Mahlzeit verordnen. visithelsinki.fi hat dazu einen schönen Guide zusammengestellt und die Stadt in thematische Distrikte unterteilt. Zum Beispiel liegt nördlich vom historischen Distrikt die Heimat der Hipster. (Mensch, da fühle ich mich doch schon fast wieder wie daheim.) Lustig: Bei einigen der dargestellten Cafés wurde ich unbewusst zu einem temporären Stammgast. Hätte ich diese Karte schon vorher gekannt, wäre mir die Suche um einiges einfacher gefallen.

Welche gemütlichen, „cozy“ Orte Helsinki zu bieten hat, bei denen man mal kurz oder auch für Stunden absacken kann, beschreibe ich euch in einem anderen Artikel.

Food Map Helsinki

Klick auf die Karte, um auf die „HEL YEAH!“-Foodmap von Helsinki weitergeleitet zu werden!

Sightseeing & Ausflüge

Zugegeben: Es ist der letzte Punkt dieser Auflistung, doch jetzt wird es günstig. Ihr habt nämlich bereits schon den Großteil der Kosten gedeckt. Die Ausflüge innerhalb und außerhalb Helsinkis sind wunderbar günstig. Es ist unfassbar aber wahr, dass die Reise auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff nach Schweden und zurück günstiger als ein Bett in der finnischen Hauptstadt seien kann. Da ihr die Verkehrsmittel für Helsinki und die umliegenden Regionen (in denen man günstigere Airbnb findet) bereits bezahlt habt, kommt ihr überall ohne weiteren Aufpreis hin. Selbst die Fähre zur Festungsinsel Soumenlinna ist inbegriffen. Natürlich müssen Museen, Zoo, Freizeitpark (und und und) gesondert bezahlt werden, doch das generelle Sightseeing ist von hier an kostenfrei.

(Mit den kommenden Artikeln werde ich auch diesen Abschnitt mit Links zu den einzelnen Ausflügen und Sehenswürdigkeiten aktualisieren. Aber in diesem Text werde ich nicht mehr explizit darauf eingehen, da ich hier ausschließlich die finanziellen Aspekte beleuchten möchte.)

Fazit

Finnland ist teuer! Ja, indeed, Finnland ist echt nicht günstig. Aber man kann dennoch an den Punkten sparen, die sonst mächtig ins Geld gehen. Wozu in einem überfüllten Schlafsaal im Hostel schlafen, wenn man sich für den gleichen Preis auch ein gemütliches Airbnb mit viel mehr Privatsphäre leisten kann. (Wer Glück hat und viel Geduld bei der Suche beweist, findet vielleicht sogar einen Schlafplatz bei einem netten Couchsurfer.) Die haben auch eine Küche, in der man selber kochen kann. Damit spart man sich regelmäßige Abendessen in teuren Restaurants. Cafés können günstig sein – dazu empfehle ich die Auflistung von visithelsinki.fi. Es ist günstiger als man denkt, öfter zu verreisen. An Tagen, an denen man den Nahverkehr und das Bett in Helsinki spart und in einer günstigen Kabine im Schiff schläft, kann man überraschend wenig ausgeben, während man zudem ein neues Abenteuer erlebt.

Das wichtigste ist aber: Sparen ist gut, leben ist besser. Also spart euch nicht den Urlaub kaputt. Mit diesen Tipps (die gar nicht so weh tun) kann man aber aus der Reise sehr viel herausholen. Und vielleicht bleibt am Ende noch ein Scheinchen für ein gemütliches Abendessen oder den ein oder anderen Cocktail in der Schiffslounge über.

Marc-Philipp Schneider (Phil Osof) arbeitet und lebt als Cross-Media-Journalist in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur von MOVING MAN Infotainment betreut er bei netzwerk recherche die Liveblog-Redaktion. Zuvor arbeitete er unter anderem als Juniorkorrespondent für die Nachrichtenagentur JIJI Press, machte bei Deutsche Welle Station und produzierte diverse Radioformate für Lokalsender.
 

Kommentare & Pingbacks (3)


Richtig, Thomas. Es ist allerdings auch wirklich alles eine Frage der richtigen Vorbereitung. Wenn man sich dann noch einen kleinen Notgroschen anlegt, kann eigentlich nur noch wenig schief gehen. Dann bleibt mehr Zeit, die Reise aktiv zu genießen.


Ein sehr informativer Artikel, zumal man die Kosten immer im Blick behalten sollte, denn ansonsten kann ein Aufenthalt schneller vorbei sein, als einem lieb ist.


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