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Dienstag, 26. Januar 2016
Von: Phil Osof
 

Musik ist eine Sprache, die man über Grenzen und Kulturen hinweg versteht. Sie transportiert Geschichten, Schicksale und zwischenmenschliches Verständnis. Und sie hilft uns, zu verstehen, dass wir und unsere Instrumente alle aus dem selben Holz geschnitzt sind. In Berlin-Weißensee wurde nun die Bühne des OC23 für geflüchtete Musiker geöffnet. Ein Angebot, das von Einheimischen und Zugewanderten gleichermaßen gut angenommen wurde.

Im letzten Jahr führte ich ein Interview mit Achim Seuberling, der in Berlin Weißensee eine Ausstellung auf die Beine stellte. Gezeigt wurden von Flüchtlingskindern gemalte Bilder. Aus diesem Gedanken erwuchs ein weiterer: Ein Konzert von uns mit Flüchtlingen wäre doch mal etwas. Und diese kleine Idee traf auf so viel Nachfrage, dass sich der Veranstalter schon bald nach einem größeren Austragungsort umsehen musste. Inzwischen hat das Konzert stattgefunden und während sich die Politik gerade um Obergrenzen und Grenzschließungen stritt, wurde in Berlin Weißensee schlicht und einfach mit der Inklusion begonnen.

Das Event war ausverkauft, das Haus war voll. Und während drinnen schon die ersten arabischen Klänge auf der Open Stage anklangen, fragte ich die draußen stehenden Besucher, warum sie sich entschieden haben, mit dabei zu sein.

Besucherin (1): Ich habe das bei Facebook gelesen vor ein paar Tagen und dann habe ich mir heute einfach spontan vorgenommen, dass ich vorbeikomme.

Phil: Und was erwartest du?

Besucherin (1): Das ist eine gute Frage. Also was ich gesehen habe: Es gibt Klavier und danach muss es noch was anderes geben. Aber so große Erwartungen habe ich nicht. Hauptsächlich bin ich auch hierhin gekommen, weil alle denken, dass manche Flüchtlinge gar nicht lesen oder schreiben. Und da ist es schön zu sehen, dass sie ganz normal sind und auch Musik machen.

Besucher (2): I heard that some musicians want to do a concert for refugees and at the same time I knew, that they are refugees [themselves]. So I was interested to see, how this concert would be organized and what is the sight of the people who are interested of being here and participating in this concert.

Besucher (3): Ich habe davon über Facebook erfahren, weil drei vier andere Freunde das auch schon geliked haben oder sich auch dafür interessiert haben. Dann habe ich mir die Geschichte des Konzerts angeschaut und fand das sehr interessant und da ich selber auch in der Flüchtlingsarbeit als Freiwilliger aktiv war, habe ich mir gedacht, das ist eine super Gelegenheit, mal Flüchtlinge anders kennenzulernen. Und entschieden habe ich mich so vor einer Woche und habe noch immer keine Karten und hoffe, dass ich noch reinkomme.

Besucher (4): I’m from Afghanistan.

Phil: And why you are here today?

Besucher (4): We came here for dance club! People say – there are the chiefs – they told us: Come here for dance. So we come with them for a dance.

Phil: And this will be a concert of refugees. What do you think about that action today?

Besucher (4): I think this is good for us, this is good for refugees. We will enjoy here so it is good for us.

Ein Grund für die große Nachfrage wird auch die Zusage von Aeham Ahmad gewesen sein. Der Hauptakt am Klavier ist deshalb bei Youtube bekannt geworden, weil er in seiner zerbombten Heimatstadt Damaskus auf den Straßen musizierte. Und zwar so lange, bis sein Klavier vom IS verbrannt und er selber mit dem Leben bedroht wurde. Dafür wurde er bereits in Bonn mit dem Internationalen Beethovenpreis ausgezeichnet. In Berlin saß er nun als Flüchtling auf der Bühne und spielte.

Musik ist eine Sprache, die jeder über Grenzen und Kulturen hinweg verstehen kann. Natürlich treffen auch bei einer solchen Veranstaltung ungeahnte kulturelle Verhaltensweisen aufeinander, wie wenn zwischenzeitlich die Bühne gestürmt und um den Schlagzeuger und den Sänger im Kreis getanzt wird. Doch oftmals folgt auf die erste Verwunderung dann gemeinsames Lachen und ausgelassene Stimmung. Am Ende haben jung und alt, Mann und Frau, miteinander glücklich gefeiert – gleich, welcher Kultur sie angehören.

Marc-Philipp Schneider (Phil Osof) arbeitet und lebt als Cross-Media-Journalist in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur von MOVING MAN Infotainment betreut er bei netzwerk recherche die Liveblog-Redaktion. Zuvor arbeitete er unter anderem als Juniorkorrespondent für die Nachrichtenagentur JIJI Press, machte bei Deutsche Welle Station und produzierte diverse Radioformate für Lokalsender.
 

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Auf dem Titelbild: Alaa Zaitouna

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