Freitag, 11. September 2015
Von: Phil Osof
 

Nach jahrelangem Hin und Her wurde heute Lenins Granitkopf ausgebaggert, der zu Zeiten der DDR auf dem Leninplatz stand und über die Menschen hinwegblickte. Den Platz gibt es heute auch noch, nur heißt er „Platz der Vereinten Nationen“. Lenins Name wurde gestrichen und sein Ebenbild an einem lang unbekannten Ort verscharrt. Dass Lenin – auch wenn nur sein Kopf – heute ausgestellt wird, war dem Berliner Senat lange ein Dorn im Auge.

Wer den Film „Good Bye Lenin!“ kennt, wird nun sicher an die nachgestellte Szene denken, in der die Statue zu Fall gebracht wird. Fast so hatte es sich auch abgespielt. Ein Denkmal wurde aus politischen Gründen entfernt – unterstützt durch die Stimmung des Neuanfangs. Da lässt sich auch irgendwie nachvollziehen, dass man sich nicht fragte, wohin die übergroße Nachbildung von Vladimir Lenin gebracht wurde. Heute weiß man: Sie wurde kurzerhand im Köpeniker Forst verscharrt.

Umgeben von so viel Sand ist der 3,5-Tonnen schwere Kopf gut erhalten geblieben.

Umgeben von so viel Sand ist der 3,5-Tonnen schwere Kopf gut erhalten geblieben.

Die Macher der Ausstellung ‚enthüllt.‘ haben sich zur Aufgabe gemacht, Skulpturen als Zeitzeugen der Berliner Geschichte wiederzubeschaffen und auszustellen. Gerade bei diesem Denkmal der Deutschen Demokratischen Republik wurde mit dem Senat und in der Berliner Öffentlichkeit eine große Kontroverse losgebrochen. Die Politik streubte sich seit 2009 gegen die Ausstellungspläne mit den kuriosesten Ausreden. Man wisse nicht, wo sich die Statue befinde, hieß es erst. Dann wurde überlegt, dass es doch nicht sachgemäß sei, den Kopf vom Rest der Statue zu trennen – man solle alles beisammen (und unter der Erde) lassen. Und schlussendlich – als der Senat zähneknirschend die Bewilligung unterschieb, fand man heraus, dass gerade dort, wo der Kopf Lenins begraben liegt, die vom Aussterben bedrohte Zauneidechse nistet. Spätestens jetzt hatten die Medien Lust auf das Thema bekommen. Wollte man Lenin eigentlich still unter Sand verweilen lassen, hatte sich indes ein Medienecho erhoben, sodass kein Weg mehr daran vorbeiführte, einen Kompromiss für Eidechse und Lenin zu finden. Dass letztendlich nur 6 Tiere gerettet werden mussten ist den Ausstellern heute ein hämisches Schulternzucken wert. Sie haben ihr Ziel erreicht. Es hat nur 12 000 Euro mehr gekostet. (Insgesamt belaufen sich die Kosten der Ausgrabung, des Transports und der ‚umweltpolitischen Umstände‘ auf 72 000 Euro.)

„Unsere ursprüngliche Planung ist es nie gewesen, ihn so in den Vordergrund zu stellen, weil er Bestandteil einer Ausstellung ist, einer Gesamtausstellung. Aber er hat sich selbst dazu gemacht, indem man ihn so lange uns nicht herausgeben wollte und ihn vor uns versteckt hat. Aber Sie sehen: Er ist hier!“, freut sich Stadtrat Gerhard Hanke (CDU) über seinen persönlichen Erfolg.

„Skulpturen wieder zu zeigen ist sehr wichtig. Denn Skulpturen sollte man nicht zerstören, sondern man sollte sie für die Nachwelt erhalten, denn sie sind ja Zeitzeugen in welcher Form auch immer. Und von daher ist es ganz wichtig, dass wir auch diese ja nicht ganz unumstrittene Persönlichkeit hier auf der Zitadelle Spandau dann präsentieren werden“, findet der CDU-Mann Hanke, der Lenin zwar nicht als große Person, doch aber als große Figur bezeichnen möchte.

Im nächsten Jahr sollen die Bauarbeiten am ehemaligen Proviantlager der Zitadelle Spandau abgeschlossen und weitere Denkmäler eingesammelt und restauriert sein. Dann kann die Ausstellung eröffnen. „Es geht uns nicht nur um Lenin. Das sage ich heute ganz deutlich“, betont Museumsleiterin Andrea Theissen. ‚Enthüllt‘ werden sollen über einhundert originale Monumente vom 18. Jahrhundert bis heute. Es gibt auch noch ein anderes sehr besonderes Stück aus der NS-Zeit, kündigt Theissen an. Aber sie möchte nicht mehr verraten, damit sie auch noch etwas zur Ausstellungseröffnung in der Hinterhand hat.

Marc-Philipp Schneider (Phil Osof) arbeitet und lebt als Cross-Media-Journalist in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur von MOVING MAN Infotainment betreut er bei netzwerk recherche die Liveblog-Redaktion. Zuvor arbeitete er unter anderem als Juniorkorrespondent für die Nachrichtenagentur JIJI Press, machte bei Deutsche Welle Station und produzierte diverse Radioformate für Lokalsender.
 

Kommentar verfassen


Kategorien: Politik & Gesellschaft, Fortschritt & Innovation, Kultur & Lifestyle, Berlin, Berlin
Multimedia: Podcasts, Liveblogs & Livestreams, Newsletter ("Lückenphiller")
Social-Media: Facebook, Twitter, Phil Osof bei YouTube, Phil Osof bei Instagram
mmi.fm: Über mmi.fm, Die Redaktion, Mitmachen, Unterstützen, Impressum & Kontakt
MOVING MAN Infotainment
mit freundlicher Unterstützung
des Wordpress-Teams
© 2007 - 2016