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Donnerstag, 13. August 2015
Von: Phil Osof
 

Sepp Maiers 2raumwohnung heißt eine Ausstellungsfläche in Berlin-Weißensee, die ab nächsten Monat Bilder ausstellen möchte – gemalt von Kindern, wohnhaft in der Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Weißensee. Dafür hat er aufgerufen, sammelt er Rahmen, die von den Berlinern gestiftet werden sollen. Wie er auf die Idee kam und was Sepp Maiers 2raumwohnung ist, habe ich den Initiator Achim Seuberling gefragt.

Intro & Outro: ”Go Cart” Kevin MacLeod (incompetech.com)
Licensed under Creative Commons: By Attribution 3.0

ACHIM: Sepp Maiers 2raumwohnung ist mein Kunst- und Kulturprojekt, dass jetzt seit sieben bist acht Jahren in Weißensee besteht und dass sich so entwickelt hat, dass ich jetzt Musik – fast ausschließlich Duos, bildende Kunst und Kindertheater veranstalte.

PHIL: Also das ist jetzt quasi ja schon was neues, dann mit den Kindern im Flüchtlingsheim zusammenarbeiten. Oder ist es schonmal vorgekommen, dass es etwas so gemeinnütziges gab?

ACHIM: Es gab schon einige gemeinnützige Projekte. Auch speziell Ausstellungen wie zum Beispiel im letzten Jahr. Da war das eine sehr ähnliche Ausstellung in Kooperation mit dem Wohnheim für Autisten hier in Weißensee. Und die haben ein Kunstprojekt, in dem sie betreut von zwei Künstlerinnen jeweils Mittwochs malen. Und das geht schon lange und das hat sich ziemlich renommiert. Die waren zum Beispiel auch schon auf der Dokumente vertreten. Und darauf wurde ich aufmerksam und das haben wir letztes Jahr veranstaltet.

PHIL: Was ist deine persönliche Motivation, solche Ausstellungen zu machen?

ACHIM: Speziell bei solchen Ausstellungen ist meine Motivation, dass ich schon fast immer ein relativ sozialer und politisch denkender und handelnder Mensch bin und sensibel für solche Themen und soziale Problematiken bin und dann gerne drauf anspringe und die gerne aufgreife.

PHIL: Und so kam es dann auch zu dem Flüchtlingsheim in Weißensee?

ACHIM: Ja. Das kam so, dass ich von Anfang an mitbekommen habe – also zunächst eher nebenbei, dass hier in Weißensee jetzt neue Flüchtlingsunterkünfte eingerichtet werden. Und vor dem Hintergrund der zunehmenden Flüchtlingsthematik und -problematik, die meines Erachtens zum Beispiel auch noch viel länger vorhersehbar war und fast viel zu lange vernachlässigt wurde, wenn man so denkt und weiß von den großen Krisen und Umwälzungen in Afrika und im Mittelmeerraum. Da ist das eigentlich schon lange absehbar. Bei solchen Entwicklungen reagiere ich manchmal ziemlich spontan. Ich bin zum Beispiel vor einem halben Jahr ungefähr zu der ersten Flüchtlingsunterkunft einfach hingegangen. Das war auch auf meiner Plakattour. Und ich bin da einfach reingegangen und habe nach einem verantwortlichen Sozialarbeiter gefragt und habe denen erzählt: Wir haben hier eine Kunst- und Kultureinrichtung und ich würde sie gerne dazu einladen – also würde auch gerne die Flüchtlinge und die hier in Weißensee ankommenden Menschen einladen, zu uns zum Kindertheater und zu den Konzerten zu kommen und dann natürlich auch gucken, wie sich das machen und wie sich das finanzieren lässt.

PHIL: Die Ausstellung, die jetzt nächsten Monat startet, thematisiert die Kinder und die Malereien der Kinder. Wieso gerade die?

ACHIM: Also ich hatte diesen Ausstellungstermin viel zu lange offen und das war dann schon relativ knapp. Und dann hatte ich plötzlich diese Idee, eine Ausstellung zu dem Thema Flüchtlinge und Asyl zu machen, und bin mit der Vorstellungen hingegangen in diese eine Flüchtlingsunterkunft: Allgemein Bilder von Flüchtlingen. Um zu gucken: Was geschieht dort in diese Richtung? Also gemalt wird sicher und es gibt immer irgendwelche Freizeitaktivitäten und auch Kunst- und Kulturangebote in diesen Einrichtungen. Ich wollte sehen, was passiert dort und was ist dort vorhanden. Und dann kam ich rein und habe im Foyer als ich auf die Betreuerin wartete an den Wänden schon die Bilder gesehen: Einfache Bilder von Kindern gemalt. Und ich dachte mir: Das ist es. Also wo ich zuerst noch ein bisschen gezögert habe, weil es sind wirklich ganz einfache Kinderzeichnungen, die sich zum großen Teil nicht von irgendwelchen anderen Kinderzeichnungen unterscheiden. Und im nächsten Moment dachte ich aber auch: Ja, genau das ist es! Ich möchte gerne diese Bilder, die einfach von den Kindern gemalt sind, ungefiltert von irgendwelchen therapeutischen oder professionellen Kunstpädagogen. Ich hätte gerne die Bilder von den Kindern, die sie einfach ungefiltert malen, nachdem sie hier in Weißensee angekommen sind.

PHIL: Du sagst, da gibt es jetzt keine wirklich großen Unterschiede. Ist es dir dann auch wichtig, genau das zu zeigen, dass es – wenn die Kinder quasi fast gleich malen wie unsere eigenen, dass da kein großer Unterschied herrscht? Oder ist das ein Mitbringsel, was jetzt einfach so passierte?

ACHIM: Also da steckt keine große Absicht hinter. Das ist nur so, dass ich das so gesehen habe. Ich bin gespannt, was alles an Bildern kommt. Also der erste Eindruck und das, was ich so zuerst gesehen habe, ist, dass die einfachen Bilder und Zeichnungen sich wenig unterscheiden von irgendwelchen anderen Kinderbildern. Aber ich bin auch gespannt, was jetzt wirklich alles kommt. Ich war auch noch in der zweiten Einrichtung. Es gibt auch noch eine dritte, in der war ich jetzt noch nicht. Und ich habe mit den entsprechenden Pädagogen oder Sozialarbeitern vereinbart: Die möchten bitte die Kinder verstärkt und vermehrt einfach malen lassen jetzt in den nächsten vier Wochen. Ich würde das gerne alles abholen und dann so viel wie möglich davon einfach präsentieren.

PHIL: Du sammelst auch Materialien dafür, oder?

ACHIM: Ja, genau. An dem Punkt sind wir jetzt: Präsentieren. Das war dann auf meinem Nachhauseweg, dass ich dann die Idee hatte, diese Bilder in Bilderrahmen zu präsentieren – gespendet von Weißensee Bürgerinnen und Bürgern. Mit dem Hintergrund und mit der Idee: Weißensee und die Einwohner Weißensees, die stellen insgesamt den großen Rahmen für den Menschen, die hier ankommen aus Flucht, Not, Elend, Krieg und so weiter. Und das fand ich eine tolle Idee, in der Form zu zeigen und zu präsentieren und zwar in seiner ganzen Vielfalt. Dass jeder einzelne Mensch hier in Weißensee einen wie auch immer gearteten Rahmen stellt. Den sollen sie bitte bringen und ich rufe jetzt alle Weißensee Bürgerinnen und Bürger auf, mir wenigstens oder im Idealfall einen Rahmen zu bringen, der für sie auch Ausdruck ihrer Haltung zu den Flüchtlingen sein soll, die hier in Weißensee ankommen.

PHIL: Das ist ein großes Ziel, was du da verfolgst. Wie ist denn das Feedback von Außen? Wie reagieren denn die Berliner oder die Weißensee darauf?

ACHIM: Das Feedback ist bisher sehr gut bis überwältigend. Ich versuche das auf verschiedenste Art publik zu machen. Am Besten und ideal ist so die Mund zu Mund – Propaganda. Also wenn ich rausgehe und auf meinen Spaziergängen bin, spreche ich die Hausbewohner, die Nachbarn, Läden in der Umgebung oder auch die Kirchen zum Beispiel an. Wo ich zum Beispiel von den Kirchen tolle Reaktionen bekomme habe, die das jetzt in ihren Pfarrbriefen und in den Vermeldungen in der Kirche publik machen, wo auch schon die ersten Reaktionen kommen und mich gerade eben vorhin eine Frau angerufen hat, die an einem der nächsten Sonntage vor dem Gottesdienst einen oder mehrere Rahmen vorbeibringen will.

Und dann geht es weiter mit den Wochenblättern – mit der Berliner Woche zum Beispiel – und Facebook und soziale Medien und so weiter.

PHIL: Wenn jetzt jemand einen Rahmen spenden möchte oder wissen möchte, wo es stattfindet oder wann es stattfindet: Wo kann man das erfahren?

ACHIM: Zum einen auf unserer Homepage seppmaiers2raumwohnung.de – da muss man aufpassen, dass man das richtig schreibt. Es gibt eine Abkürzung, die lautet 2bb2.de . Da mache ich das publik. Dann auf der Facebookseite von Sepp Maiers 2raumwohnung (klick), auf diesen Seiten sind auch die Adresse und Kontaktadressen.

PHIL: Ja, also die Kontaktdaten werde ich dann auch gerne bei mir nochmal gerne veröffentlichen. Du bist wahrscheinlich relativ offen, oder? Also wenn jetzt jemand spenden möchte, der jetzt nicht aus Weißensee kommt, dann ist das trotzdem ok?

ACHIM: Ja! Ich habe auch auf Facebook zum Beispiel geschrieben in Klammern: Nicht nur Weißensee. Es richtet sich in erster Linie an die Weißenseer und Weißenseerinnen, aber auch weit darüber hinaus. Jeder Rahmen, der einem Flüchtling zur Verfügung gestellt wird, ist willkommen.

PHIL: Das ganze geht ja schon in ein paar Wochen los: Glaubst du, dass du genügend Bilder dann zusammenbekommst, um die Räumlichkeiten zu füllen?

ACHIM: Ich bin mir sehr sicher, was sowohl Bilder als auch Rahmen. Da bin ich mir sehr sicher. Und wenn der Platz nicht ausreichen sollte, dann spinne ich schon rum, dass wir es auf eine nächste Einrichtung erweitern könnten. Ob das jetzt irgendwie die Kirche um die Ecke ist oder die nächste kulturelle Einrichtung – wie auch immer.

PHIL: Es ist auf jeden Fall nicht mehr viel Zeit und du hast wahrscheinlich noch sehr viel zu tun. Ich wünsche dir viel Erfolg bei diesem Projekt und ich werde versuchen auch bei der Eröffnung mit dabei zu sein.

ACHIM: Da fällt mir ein: Die Eröffnung am Freitag, 04. September 19 Uhr. Da wird auch stattfinden, dass sich diese Idee erweitert. Es kam dann die Idee dazu, diese Bilder dann nach Möglichkeit zu versteigern und aus den Erlösen dieser Versteigerung, die dann auch über die ganze Ausstellung hinweg stattfinden kann, Projekte zu finanzieren wie zum einen Kindertheater und Konzertbesuche in unserer eigenen Einrichtung hier. Oder auch die Baptistengemeinde, die zum Beispiel Deutschkurse für Flüchtlinge anbietet und vor kurzem aufgerufen hatte, für Lehrbücher zusenden. Nicht zuletzt besteht die Idee, ein Projekt für die Kinder dann selbst zu finanzieren, wie zum Beispiel ein Fest oder Ausflüge oder sonst was.

PHIL: Ich danke für das Interview.

ACHIM: Ja, ich danke auch sehr.

Marc-Philipp Schneider (Phil Osof) arbeitet und lebt als Cross-Media-Journalist in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur von MOVING MAN Infotainment betreut er bei netzwerk recherche die Liveblog-Redaktion. Zuvor arbeitete er unter anderem als Juniorkorrespondent für die Nachrichtenagentur JIJI Press, machte bei Deutsche Welle Station und produzierte diverse Radioformate für Lokalsender.
 

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Cover: Klaus Esterluss

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