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Montag, 25. Januar 2016
Von: Phil Osof
 

Wer Spaß an SimCity hatte sollte jetzt genauer hinhören, denn das finnische Studio Colossal Order und Paradox Interactive haben den Versuch gestartet, Städtebau (à la SimCity)  mit weiteren Simulationen wie der Verkehrsplanung (à la Verkehrsgigant) zu verknüpfen. Herausgekommen ist dabei: Cities Skylines. Diese Simulation wurde von mir zum Spiel des Jahres gekürt.

Ich muss zugeben, dass ich von Aufbausimulationen stets angetan war Visit Website. Schon die Age of Empires – Reihe zog mich in ihren Bann, Die Siedler und Anno können mich auch heute noch begeistern. Aber was mich an diesen Strategiespielen stets störte war, dass es einen Gegenspieler gab, der meine schwer erbauten Dörfer und Städte wieder zu zerstören suchte. Glücklicher wurde ich mit puren Aufbausimulationen wie SimCity. Hier kann man am PC oder am Mac eifrig Bürgermeister einer neuen Stadt spielen, sie von Beginn an planen, errichten und wachsen lassen. Und auch Cities Skylines ist ganz ähnlich. Doch wenn es am Anfang SimCity auch noch sehr ähnelt, während man Straßen baut, Wohn-, Gewerbe- und Industriezonen bestimmt und für Strom- und Wasserversorgung sorgt, werden die großen Unterschiede schon bald ersichtlich.

Zwar kann man bei SimCity ebenfalls riesige Metropolen errichten, doch dafür muss man mehrere Stadt(teile) unabhängig voneinander auf einzelnen Karten nebeneinander errichten (kompliziert). Bei Cities Skylines baut man an nur einer einzigen Großmetropole auf einer riesigen Karte, von der man sich benachbarte Flächen einfach dazu kauft, sobald die Grenzen erreicht sind. Und wenn man dann lange eifrig gebaut hat, kann man irgendwann durch eine wirklich riesige Metropole scrollen. Aber das ist für den anfänglichen Städtebauer Zukunftsmusik. Erst mal müssen Anreize geschaffen werden, damit überhaupt eine Bevölkerung entsteht. Grundversorgung, Arbeitsplätze, Bildung, Sicherheit und und und. Dabei sollte am Besten kein Verkehrschaos entstehen. Und wenn man dann alles richtig macht, entsteht schon bald ein kleines, gemütliches Städtchen. Umso stärker man wächst, vergrößern sich auch die Bedürfnisse und Cities Skylines versteht sich als Simulation und hat auf jede Handlung Reaktionen parat. Eine Bahnstation zum Beispiel bringt zwar Zufriedenheit durch bessere Anbindung an den Nahverkehr, die Züge sind aber laut. Und ein Kohlekraftwerk fördert zwar schnell viel Energie, die Bevölkerung hat es aber lieber ein bisschen sauberer. Nur Landwirtschaft gefällt einem anderen Teil der Bewohner aber nicht und hinter den Parks sind vielleicht die Grundstückspreise ein wenig zu hoch und so weiter und so fort. Dadurch entsteht ein spannendes und irgendwie realistisches Spiel, bei dem man immer die Balance halten muss zwischen praktischem Städtebau, Budget und dem – vielleicht auch naiven – Drang, ein kleines Paradies schaffen zu wollen.

 

Umfang & Spaß

Cities Skylines wartet mit einem sehr aufregenden Simulator auf, den man im Auge behalten muss. So eine Stadt lebt halt mit all ihren Problemen. Dabei muss das Programm viel denken, bleibt aber ungemein flüssig an meinem alten iMac. Jeder Bewohner hat eine feste Wohnung und einen festen Arbeitsplatz. Das geht mit einem täglichen Arbeitsweg einher, mit dem Bildungsstand durch die angrenzende Universität oder mit den favorisierten naheliegenden Freizeitaktivitäten. Dadurch entsteht ein realistischer Verkehrsfluss. Was die Entwickler als Vereinfachung andachten, was aber für einen Heidenchaos auf den Straßen führen kann, ist die dämliche Angewohnheit der Bewohner, auch bei einer sechsspurigen Schnellstraße rechts eingeordnet zu bleiben, wenn man irgendwann in ferner Zukunft mal rechts abbiegen muss. Irgendwann staut sich der Verkehr auf dieser vielspurigen Straße auf der rechten Spur – und die restlichen Spuren bleiben unbenutzt. Irre. Ich habe teilweise die Krise bekommen. Gut, dass es Mods gibt. Neben dieser wirklich nervigen Verkehrsproblematik kann mich auch der sehr unübersichtliche Tunnelbau zum Ausrasten bringen. Erst recht wenn man einen stark bebauten Bereich der Stadt untertunneln will oder einen dort angesiedelten Tunnel ausbessern, braucht man Fingerspitzengefühl. Da wäre eine bessere grafische Lösung angebracht.

Die Möglichkeiten der Bebauung und der stadtpolitischen Eingriffe sind dafür wirklich sehr umfangreich. Durch die Ernennung von Distrikten oder Stadtteilen kann man unterschiedliche stadtplanerische Konzepte sehr detailliert umsetzen, für Land- oder Forstwirtschaft sorgen, eine wilde Partygegend oder einen idyllischen Vorort errichten. Einzelne Regeln, Steuersätze oder Spezifikationen – sogar bestimmte architektonische Vorgaben für einzelne Stadtteile – lassen unendlich viele Optionen zu. Durch die Erweiterung „After Dark“, die nicht nur die Dunkelheit, sondern auch stärkeren Tourismus und Freizeiteinrichtungen mit sich bringt, kamen sogar weitere Facetten hinzu.

Mods & Community

Schön ist auch, dass die Spieler eigene Gebäude, Autos, Karten oder gar Mods erstellen können. Jeder kann auf die Kreationen der Community dann zugreifen und so entsteht zum Beispiel wenn man möchte auch Berliner Architektur online oder eine Mod, mit der man die Ampelsteuerung beeinflussen kann. Dadurch entstehen nicht nur viele neue Gebäudefassaden und ein realistischeres Gesamtbild, die Spieltiefe gewinnt durch die Mods durch viele weitere Steuerungsmöglichkeiten.

Bedienung

Im Allgemeinen ist die Bedienung sehr einfach und verständlich. Wie erwähnt habe ich bei einzelnen Bauvorgängen so meine Probleme mit der Übersichtlichkeit. Tunnelbau kann einen Wahnsinnig machen. Ebenerdig lassen sich dafür allerdings die letzten Millimeter verbauen, wenn man das Raster ausstellt. Das ist vor allem bei Umbauten von Straßenzügen in einer dicht bebauten Stadt sehr sehr nützlich.

Grafik & Sound

Die Musik solcher Spiele landet bei mir ganz schnell im Silent-Mode. Allerdings gefällt es mir, die Geräusche der Stadt zu hören. Wenn man allerdings nah rankommt und eine Weile an einer Stelle der Stadt arbeitet, können die Sirenen auf die Nerven gehen. Aber Wayne … das gehört halt dazu.

Gespielt habe ich das Spiel an meinem iMac (aus dem Jahre 2013) und war mit der Grafik sehr zufrieden. Ich habe selbst eine ausgewachsene Stadt noch flüssig darstellen können. Die höchsten Grafikeinstellungen machen irre Spaß, gerade wenn man seinen Sims bei ihrem Treiben zuschaut und ihnen ein wenig selbstverliebt durch die Stadt folgt. Nötig sind sie aber nicht unbedingt und können auch runtergeschraubt werden, ohne dass der Spielspaß darunter direkt leidet.

Fazit

Alles in allem bin ich von dieser Städtebausimulation sehr überzeugt. Nachdem ich inzwischen auch weiß, wie ich ein Verkehrschaos in meiner Metropole unterbinde, bekomme ich auch seltener die Krise und kann mich über meine stetig wachsenden Gebiete freuen. Cities Skylines ist eine tolle und sehr umfangreiche Städtebau- und verwaltungssimulation, die es unter meine liebsten Spiele geschafft hat.

 

Marc-Philipp Schneider (Phil Osof) arbeitet und lebt als Cross-Media-Journalist in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur von MOVING MAN Infotainment betreut er bei netzwerk recherche die Liveblog-Redaktion. Zuvor arbeitete er unter anderem als Juniorkorrespondent für die Nachrichtenagentur JIJI Press, machte bei Deutsche Welle Station und produzierte diverse Radioformate für Lokalsender.
 

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